Digitale Forensik im Ermittlungsprozess: Von der Datensicherung bis zum Gerichtsbeweis

Für viele klingt digitale Forensik erst einmal nach etwas extrem Technischem und fast Geheimnisvollem, so ein „da verstehen nur Experten was“-Gefühl. Dabei steckt dahinter eigentlich eine klare Aufgabe: digitale Spuren finden, sichern und untersuchen, damit sie später im Gericht auch wirklich als Beweis genutzt werden können. Das kann vieles sein, Chatverläufe auf einem Smartphone, Dateien auf einer externen Festplatte, Daten aus der Cloud oder sogar von einem Server in einem anderen Land. Oft sind genau solche Funde der Schlüssel, um einen Fall zu lösen, und manchmal geht das sogar schneller, als man denkt.

In den letzten Jahren hat sich einiges getan: Ermittler arbeiten heute mit sehr modernen Werkzeugen und spezieller Software, um Beweise aus fast jedem Gerät zu retten, manchmal sogar aus stark beschädigten. Dabei zählt jeder sauber dokumentierte Schritt, damit der Beweis vor Gericht gültig bleibt. Gleich schauen wir uns den ganzen Ablauf genauer an, vom ersten Sichern bis zu dem Moment, in dem die Ergebnisse dem Richter gezeigt werden.

Die Bedeutung digitaler Beweise

Digitale Spuren sind heute aus Ermittlungen kaum wegzudenken, egal ob Chatverläufe, Standortdaten, Fotos oder Videos. Oft sind es sogar unscheinbare Metadaten, die später zeigen, wann und wo etwas passiert ist. Selbst eine alte Logdatei oder ein längst vergessener Browser-Verlauf kann plötzlich wichtig werden. Bei Fällen wie Wirtschaftskriminalität, gezielten Cyberangriffen oder komplexen Betrugsmaschen sind solche digitalen Hinweise oft das Einzige, was Ermittler noch sichern können.

Manchmal ist das eben der sprichwörtliche letzte Strohhalm, und nicht nur in Krimis.

Digitale Beweismittel sind heute ein zentraler Bestandteil vieler Ermittlungsverfahren. Sie bieten große Potenziale zur Aufklärung von Straftaten, stellen Ermittler aber auch vor technische und rechtliche Herausforderungen.
— Dr. Markus Wirth, Landeskriminalamt Bayern

Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich: Im Cybersicherheitsmonitor 2024 gaben 44 % der Befragten an, im letzten Jahr Opfer von Cyberkriminalität gewesen zu sein, vom Diebstahl sensibler Kundendaten bis zu raffinierten Phishing-Angriffen. Laut einer Studie der Europäischen Union beruhen inzwischen über 60 % der Wirtschaftsstrafverfahren hauptsächlich auf digitalen Beweisen, was zeigt, wie stark sich die Ermittlungsarbeit verändert hat.

Schon beeindruckend, oder?

Aktuelle Zahlen zur digitalen Forensik und Cyberkriminalität:

  • 2024 Opfer von Cyberkriminalität 44%
  • 2025 Marktvolumen Digitale Forensik (USD) 6.692,59 Mio.
  • 2035 Prognose Marktvolumen (USD) 15.965,92 Mio.

All das macht klar: Digitale Forensik wird längst nicht nur von Polizei und Behörden genutzt. Unternehmen verwenden sie, um interne Vorfälle wie Datenlecks oder Mitarbeiterbetrug aufzuklären. Selbst Privatpersonen greifen darauf zurück, etwa um den Täter hinter einem Online-Betrug zu finden.

Schritt 1: Datensicherung, die Grundlage jeder Analyse

Bevor man mit der Auswertung beginnt, muss zuerst eine Sicherung der Originaldaten erstellt werden. Dabei wird der komplette Datenträger Bit genau kopiert, wirklich jedes einzelne Bit, , sodass eine exakte Kopie entsteht. Der Vorteil: Das Original bleibt vollständig unverändert und kann jederzeit wieder verwendet werden. Manchmal reicht eine einfache Festplattenkopie, doch erfahrene Forensiker nutzen meist spezielle Imaging-Programme. Diese erfassen nicht nur sichtbare Dateien, sondern auch die Dateistruktur, versteckte Bereiche wie den „Slack Space“ und zusätzliche Metadaten, die sonst leicht übersehen werden.

Fast jedes Speichermedium lässt sich so sichern, von Festplatten und USB-Sticks über Smartphones bis zu externen Laufwerken oder ganzen Servern. Dabei sollte man sich an Standards wie ISO/IEC 27037 orientieren, die genau beschreiben, wie digitale Beweise behandelt werden. Während der Sicherung wird außerdem ein Hash-Wert erzeugt, oft mit SHA-256, um später eindeutig nachweisen zu können, dass die Kopie unverändert ist.

„Sichere Datensicherung umsetzen“
Für eine rechtssichere und saubere Sicherung digitaler Beweise ist es sinnvoll, erfahrene Fachleute einzuschalten, die den Ablauf professionell übernehmen.

Schon kleine Fehler in dieser Phase, etwa das versehentliche Öffnen einer Datei, können die Beweiskraft deutlich schwächen. Oft genügt ein einziger falscher Schritt, um den gesamten Vorgang zu gefährden.

Schritt 2: Analyse der Daten

Sind die Daten einmal gesichert, beginnt die eigentliche Auswertung, und die kann ziemlich unterschiedlich sein. Manchmal wird eine Festplatte genau untersucht, manchmal ein Smartphone gründlich geprüft, oft auch Cloud-Speicher oder externe Medien genau angeschaut. Nicht selten passiert alles gleichzeitig. Fachleute nutzen dafür spezielle Programme wie EnCase, FTK oder Magnet AXIOM, mit denen selbst kleinste Details genau erfasst und so festgehalten werden können, dass sie vor Gericht verwendet werden dürfen.

Die Auswertung von Smartphones ist inzwischen eine der wichtigsten Quellen digitaler Beweise, da sie oft Bewegungsdaten, Kommunikationsverläufe und Mediendateien enthalten.
— Dr. Andrea Lutz, FTI Technology

Gerade Smartphones sind für Ermittler oft echte Schatzkisten: Nachrichten, Standortverläufe, App-Daten, manchmal sogar alte Cloud-Backups, die längst vergessen waren. Gelöschte Infos sind oft nur scheinbar verschwunden, was bei Fällen wie Betrug oder Cybermobbing sehr wichtig sein kann. Bei komplizierteren Untersuchungen werden Daten aus vielen verschiedenen Quellen zusammengeführt, um ein möglichst vollständiges Bild zu schaffen, wie bei einem Puzzle, bei dem manche Teile erst mühsam wiedergefunden werden müssen.

Schritt 3: Interpretation und Berichterstellung

Die Analyse ist nur der erste Schritt, richtig wertvoll wird es, wenn die Ergebnisse so aufgearbeitet sind, dass auch jemand ohne tiefes Fachwissen den Ablauf problemlos versteht. Eine klare Beweiskette hilft dabei: Sie zeigt Schritt für Schritt, wie die Daten gefunden, gesichert und anschließend genau untersucht wurden. Jede Änderung, jeder Zugriff und jede Bewegung der Daten wird festgehalten, damit in der Regel keine Zweifel an ihrer Echtheit entstehen.

Ein forensischer Bericht beschreibt nicht nur die Methoden und eingesetzten Tools, sondern gibt oft auch kurze Hinweise, warum bestimmte Schritte für den Fall wichtig sind, zum Beispiel, weil sie eine Annahme stützen. Damit auch Technik-Laien mitkommen, wird bewusst einfache Sprache genutzt. Meist gibt es am Anfang eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Punkte, um die zentralen Erkenntnisse sofort im Blick zu haben.

Viele Berichte nutzen Bilder und Grafiken: Zeitachsen, übersichtliche Diagramme oder kommentierte Screenshots machen komplexe Abläufe leichter verständlich. Oft zeigt eine passende Grafik den Zusammenhang schneller als lange Texte.

Schritt 4: Gerichtsverwertbarkeit sicherstellen

Digitale Beweise helfen vor Gericht nur, wenn sie genau nach den vorgeschriebenen Abläufen gesichert werden. Selbst winzige Änderungen, sogar ein kleiner Tippfehler, können die Glaubwürdigkeit schwächen. Wichtig sind eine sichere Aufbewahrung, eine lückenlose Aufzeichnung aller Zugriffe und eine klar nachweisbare, vertrauenswürdige Herkunft, zum Beispiel direkt von einem geschützten Firmencomputer. Schon kleine Fehler bei der Sicherung führen oft dazu, dass die Beweise nicht mehr akzeptiert werden.

Ab 2025 gelten neue EU-Vorgaben zur digitalen Beweissicherung, die für mehr Einheitlichkeit sorgen sollen, auch zwischen verschiedenen Ländern. Ein zentraler Punkt ist die Chain-of-Custody-Dokumentation, die künftig überall gleich ablaufen muss. Klingt trocken, ist aber bei Ermittlungen über Landesgrenzen hinweg oft entscheidend.

„Gerichtsverwertbare Beweise vorbereiten”
Für belastbare Beweise lohnt es sich, gezielt Fachleute wie die LB Detektei einzubinden, diese kennen die juristischen und technischen Fallstricke.

Neben der Technik ist auch die Rechtslage wichtig. In Deutschland heißt das: DSGVO strikt einhalten und die Strafprozessordnung beachten, sonst wird der Fall meistens gar nicht zugelassen.

Moderne Trends in der digitalen Forensik

Digitale Forensik entwickelt sich ständig weiter, neue Werkzeuge oder frische Methoden erscheinen oft so schnell, dass man kaum Schritt halten kann. Für 2026 zeichnen sich einige interessante Schwerpunkte ab, die vermutlich den Bereich prägen werden.

  • Mobile Forensik: Smartphones sind heute oft die erste Quelle für Hinweise, von Messenger-Nachrichten über GPS-Daten bis hin zu Trainingswerten aus Fitness-Apps, die manchmal überraschend hilfreich sind.
  • Cloud-Forensik: Hier geht es um die Untersuchung von Daten, die auf entfernten Servern oder in komplexen Cloud-Strukturen gespeichert sind.
  • KI-gestützte Analyse: Künstliche Intelligenz kann große Datenmengen schneller durchsuchen und oft genauer bewerten, vorausgesetzt, sie ist gut trainiert.
  • Live-Forensik: Dabei werden Informationen direkt aus einem laufenden System gesichert, etwa RAM-Inhalte oder aktive Netzwerkverbindungen.

Immer wichtiger wird auch die Blockchain-Forensik, da Kryptowährungen häufig bei illegalen Aktivitäten auftauchen. Das kann Ermittlungen beschleunigen, bringt aber auch schwierige Fragen zu Datenschutz und rechtlichen Vorgaben mit sich. KI-Systeme sollten so aufgebaut sein, dass jeder Schritt klar nachvollziehbar bleibt, besonders, wenn die Ergebnisse später vor Gericht geprüft werden.

Häufige Fehler im Forensik Prozess

Manche Patzer passieren im Forensik Alltag überraschend oft, und wer lange genug dabei ist, hat sie meistens schon selbst erlebt.

  • Daten werden unsauber gesichert, etwa ohne klare Ordnerstruktur oder ohne Prüfsummen, was später das Nachvollziehen schwer macht
  • Die Dokumentation ist lückenhaft oder fehlt komplett, sodass später niemand genau weiß, welche Schritte wirklich erfolgt sind
  • Es werden Tools genutzt, die vorher nie ausprobiert wurden, oft führt das zu unerwarteten Problemen
  • Gesetzliche Vorgaben werden übersehen, meist aus Unwissen oder weil man denkt, sie seien „nicht so wichtig“

Besonders riskant ist es, direkt am Originaldatenträger zu arbeiten. Schon ein kleiner falscher Befehl kann Inhalte überschreiben oder löschen, und der Schaden fällt oft erst später auf. Fast genauso gefährlich: den Hash-Wert vor und nach der Analyse nicht zu prüfen, das kann die Beweiskraft deutlich schwächen. Wer diese Fehler meidet, steht vor Gericht meist besser da. Hilfreich sind regelmäßige Schulungen mit echten Fällen und interne Kontrollen, die Schwachstellen früh zeigen.

Ihr Weg zu sicheren digitalen Beweisen

Digitale Forensik ist, ehrlich gesagt, eines der wirksamsten Werkzeuge, um digitale Spuren von Straftaten aufzuspüren. Schon ab dem Moment, in dem Daten kopiert werden, muss jeder Schritt so erfolgen, dass er nachvollziehbar bleibt und keinen Zweifel zulässt. Dabei geht es nicht nur um Technik, sondern auch darum, die gesetzlichen Vorgaben und die Anforderungen der Beweisführung zu kennen, die vor Gericht zählen.

Wichtige Punkte dabei sind:

  • Datensicherung genau nach anerkannten Standards, damit nichts verfälscht wird
  • Gründliche Untersuchung von Geräten, Speichermedien und möglichen Netzwerkspuren
  • Lückenlose Dokumentation, vom Auffinden bis zur Übergabe an die Ermittlungsstelle
  • Ergebnisse so darstellen, dass sie auch vor Gericht und für Nicht-Techniker verständlich sind

Wer diese Schritte beachtet, findet digitale Beweise nicht nur, sondern kann sie auch wirksam nutzen. Oft lohnt es sich, externe Fachleute hinzuzuziehen, Profis mit Spezialausrüstung und einem Blick für Details, die leicht übersehen werden.

Erfahrene Ermittler verbinden technisches Wissen mit modernen Werkzeugen und ziehen aus scheinbar chaotischen Datensammlungen klare, belastbare Fakten. Mit dieser klaren Vorgehensweise werden Fälle Schritt für Schritt bearbeitet, von der ersten Sicherung bis zur Präsentation. So wird digitale Forensik zu einem verlässlichen Schutz für Menschen und Unternehmen und hilft, selbst schwierige Situationen verständlich darzustellen.